Winzer des Monats November 2007 - Leo Hillinger
Österreichs polarisierendster Winzer und Selbstvermarktungs-Genie Leo Hillinger zeigt mit seinen neuen Jahrgängen qualitativ laut auf und beweist, dass sich penibelste Kellerarbeit und perfektes Marketing durchaus vertragen.
WEIN & CO-Gründer Heinz Kammerer spricht mit Szene-Winzer Leo Hillinger über Vorurteile, Marketingerfolge, Qualitätsfanatismus und die Tatsache, dass sich nicht jede vorgefasste Meinung als richtig herausstellt!
Heinz Kammerer: Halb Österreich kennt dich als Szene-Winzer aus Seitenblicken & Co. Keine große Veranstaltung in diesem Land ohne Leo Hillinger, keine Party ohne prominent platzierte Hillinger-Produkte. Wo eine Eröffnung, da ein Hillinger. Du hältst Vorträge über Eigenmarketing und bist sicherlich der am meisten diskutierte Winzer Österreichs. Bei allem perfekten Marketing stellen da schon vieledie Frage: Ist das nicht mehr Show als erstgemeinter Qualitätsweinbau?
Leo Hillinger: Als ich 1990 von meinem Vater das Weingut übernommen habe, hatte ich keinen einzigen eigenen Weingarten und kein Geld, aber eine Vision im Kopf, mit viel Arbeit etwas richtig Großartiges zu schaffen und damit innovative Wege zu gehen. Mit meinem Heurigen habe ich schon damals begonnen unkonventionelle Ideen umzusetzen. Wir haben Hillinger-Jazz-Brunch am Schiff gemacht und Josef Hader hat bei mir im Stadl zum Gansl-Kabarett gespielt. Das war eine wilde Zeit damals, aber da habe ich viele gute und wichtige Leute kennengelernt und intensives Networking für meine Produkte und Ideen gemacht. 17 Jahre später ist vieles dieser Vision Realität geworden und Wein zu machen ist heute das größte Glück für mich. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich etwas lieber machen möchte, als das was ich jetzt tue.
Nochmals das Thema Qualität. Du bist zweifelsfrei ein perfekter Marketer, aber auf die Frage nach den besten Weinen aus dem Burgenland würden wahrscheinlich die wenigsten „Hillinger“ sagen. Als wir uns vor zwei Jahren das erste Mal persönlich getroffen haben, waren ich und die meisten meiner Mitarbeiter ehrlich gesagt auch dieser Meinung. Warum, glaubst Du, haftet dir dieser Ruf an?
Wenn Du in der Öffentlichkeit stehst und beginnst erfolgreich zu werden, kommen auch die Neider. Das ist leider ein intensiv österreichisches Phänomen. Und wenn du viel gesehen wirst, entsteht der Eindruck, der ist mehr auf Partys als im Weinkeller. Wer mich aber näher kennt, weiß, dass ich ein totaler Qualitäts-Freak bin. Und dazu musst du kompromisslos sein. Beim Wein, aber bei allen anderen Dingen auch. Als wir uns kennen gelernt haben, hab ich dir gesagt: „Nimm meine Weine und stell sie blind gegen was auch immer Du willst, selbe Preisklasse und Rebsorte vorausgesetzt, und schau, was passiert.“
Genau das haben wir auch gemacht. Die größten Hillinger-Skeptiker, mich eingeschlossen, in einen Raum gesperrt und dein komplettes Sortiment gegen die jeweils am härtesten zu knackenden Gegner blind verkostet. Das Ergebnis war damals so unglaublich, dass alle echt überrascht waren. Von 12 verschiedenen Verkostungs-Flights hast Du 8 gewonnen. Das hast nicht einmal Du er-wartet und das war der Hauptgrund für den Start einer intensiven Zusammenarbeit von WEIN & CO und Hillinger.
Ich bin mir damals vorgekommen wie in der Höhle des Löwen. Das musst du dich schon auch mal trauen. Alle Einkäufer und Sommeliers von WEIN & CO warten darauf dich zu zerfleischen und dann passiert das, was ich mir seit Jahren gewünscht habe. Vollkommen überrascht war ich nicht vom Ergebnis, weil wir in den letzten Jahren wirklich sehr viel Zeit und Geld in die Qualität unserer Weine gesteckt haben. Aber sehr erleichtert und richtig happy war ich schon!
Besonders auffällig war damals Dein Pinot Noir, der sogar gegen zwei große Burgunder um je 150 € mithalten konnte. Spätestens da hat dann keiner mehr was gesagt.
Ich bin einfach ein Pinot-Verrückter. Das ist so eine geile, zickige Rebsorte, die keine Fehler verzeiht. Aber wenn du wirklich viel arbeitest, entstehen die besten Weine der Welt aus Pinot. 2004 haben wir unseren ersten Pinot aus eigenen Weingärten gemacht und jetzt tüfteln wir jedes Jahr an der Qualität. 2005 ist schon sehr gut und 2006 wird noch besser.
Du hast im Jahr 2004 diesen architektonischen Musterbetrieb in Jois um eine Unsumme an Geld sprichwörtlich „aus dem Berg" gegraben. Spätestens da haben alle geglaubt, jetzt spinnt er komplett, der Hillinger. Wozu geht man so einen riskanten Weg?
Vor der Eröffnung unserer neuen Produktionsstätte hatten wir drei Adressen, an denen wir Wein gemacht haben, und trotzdem hinten und vorne keinen Platz. Wenn du da mal ein Ventil vergessen hast, konntest du 1,5 Stunden Auto fahren, um es von der einen zur anderen Produktionsstätte zu schleppen. Die perfekte Frucht soll bei mir unverändert und ohne Umwege direkt in die Flasche kommen. Dazu brauchst du eine 1A-Infrastruktur, modernste Kellertechnik und ein tolles Team. Der Entschluss zur eigenen Produktionsstätte in Jois war sicher mutig, aber langfristig gesehen notwendig. Hier herrschen perfekte Arbeitsbedingungen und hier kann ich endlich Hobby und Beruf verbinden.
2004 wurde in Jois um 6 Mio. Euro eine neue Produktionsstätte mit angeschlossener Degustations-Lounge und einem Seminarraum errichtet, die modernste Kellertechnik mit anspruchs-voller Architektur und ausgezeichnetem Design verbindet.




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