Sprechen Sie Wein?


Der Mensch kann über 200 Düfte und vier Geschmacksrichtungen wahrnehmen. Wichtig sind für Profis daher exakteste „Wein“-Beschreibungen.

Das Problem ist nur: Der visuelle ist mein am stärksten ausgeprägter Sinn. Daher kommt es bei mir bei Weinbeschreibungen regelmäßig zu Begegnungen mit allerlei absonderlichen Bildern, die – einmal gelesen und vor dem geistigen Auge aufgetaucht – sehr hartnäckig im Gedächtnis bleiben. Ein Adorant hat zu seinem Rendezvous „einen frischen Blumenstrauß in der Nase“ oder auch „Pralinen in der Nase“. Bei geplantem Picknick befindet sich dann „ein Obstkorb voller frischer Früchte in der Nase“.

Es gibt aber auch Masochisten mit „Ananas in der Nase, dahinter Stachelbeeren“ – am meisten fasziniert mich dabei das „dahinter“. Die Mutter eines Kleinkindes hat regelmäßig „eingekochten Marillenbrei in der Nase“, was ihr mittlerweile nicht mehr auffällt.

Max und Moritz hatten kurz vor ihrem tragischen Ende als Brote „Sauerteig in der Nase“. „Pfeffer in der Nase“ putzt so richtig durch, sehr schmerzhaft und bemitleidenswert finde ich aber ein Zuviel davon, eine „explosive Nase“.

„Honig in der Nase“ verklebt das Sinnesorgan nachhaltig, ein „Suppenwürfel am Gaumen“ wirkt dem entgegen, lässt aber darauf schließen, dass beim Kochen etwas missverstanden wurde. Besonders schmerzhaft sind „Brennesseln in der Nase“. Jetzt wird es etwas pikant: „Leder in der Nase“ lieben ausschließlich Fetischisten, sind sie gleichzeitig Allergiker, dann lieben sie „Heublumen in der Nase“. Danach sind sie regelmäßig „offen am Gaumen“.

Sehr schön sind dann auch Kombinationen wie „Rosmarin in der Nase, schmalzig am Gaumen“ – da braucht man dann nur noch Erdäpfel und kann sich mobil ein schmackhaftes Mahl zubereiten. Empfehlenswert für Raucher, für die es momentan ja besonders eng wird, ist „Tabak in der Nase, rauchig am Gaumen“ – so lange das nicht verboten wird, selbstverständlich!

- Nina Krantz -

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» Sandra Maier08.07.2009 15:41» Antworten

Liebe Frau Krantz,
ich freue mich jeden Monat wieder aufs Neue über Ihre Kolumne, in der Sie mit Witz und Ironie mit der teilweise leicht verstaubten Weinwelt aufräumen!
Weiter so!!
Liebe Grüße
Ein Fan ;-))

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