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Alles Frankreich oder was?

Wenn man eine frankophile Mutter hat, kann man schon eine gestörte Beziehung zu diesem Land bekommen.

Nina Krantz Kolumne Abgesehen von dem mit der Zeit unerträglichen Geträller von Charles Aznavour, Édith Piaf und Gilbert Bécaud, den Begleitern meiner Kindheit und Jugend quasi, ist es auch nicht leicht für ein Kind, wenn die eigene Mutter sich jeder Diskussion mit unverständlichem Gebrabbel entziehen kann: „à cause de mouches“ [„akusdemusch“] etwa, wenn sie keine weiteren Fragen beantworten wollte. „Wegen der Fliegen“ allein ist schon ein Schlag ins Gesicht jedes wissbegierigen Kindes und kann sein Verständnis kausaler Zusammenhänge ein wenig durcheinander bringen. Und dann noch auf Französisch! „Onisuakimalinpouns“ [„Honni soit qui mal y pense“] hatte irgendetwas mit meinem damaligen Freund zu tun. Glaube ich.

Im besten pubertären Alter entschied ich mich daher, sicher NICHT Französisch zu lernen, dafür Altgriechisch. Maman war leider keineswegs erschüttert, sondern angetan. Dann ein Urlaub in Nizza, völlig alleingelassen von der Mutter, die Kurse besuchte. Mit Altgriechisch kommt man nicht weit, mit allen anderen Sprachen außer Französisch auch nicht. Die Oper suchend erklärte mir eine Dame irgendetwas von „venice“. Nach Venedig in die Oper? Nein, klärte Maman mich abends auf, „vieux Nice“, altes Nizza, also die Altstadt. Ich mochte Frankreich nicht.

Heute sehe ich das alles entspannter. Nur Mutters Geburtstag trieb mir bis jetzt immer Schweißperlen ins Gesicht: Sie wollte „endlich einen Rosé trinken, der genauso gut schmeckt wie die in Frankreich“. Jede aufgestöberte Flasche kommentierte sie mit „Naja…“, „Jaaaa…naja….“ oder „Uaaargh, ist der sauer/süß!“. Natürlich schmeckte keiner wie im URLAUB, da kam ich vor Kurzem erst drauf. Aber dann fuhr ich die schweren Geschütze auf – und fand einen Rosé, der ihr schmeckte. Welchen?