Winzer des Monats September 2012 - Philipp Grassl
„Meine Weine sind erwachsen geworden“
2012 ist ein besonderer Jahrgang für Philipp Grassl, denn heuer wird er seine 15. Ernte einfahren. Ein Jubiläum also – Grund genug kurz innezuhalten und zurückzuschauen. Was hat sich verändert?
Zunächst einmal die Größe des Weinguts. „Heute sind wir auf 22 Hektar angewachsen, die wir selber bewirtschaften“, erzählt der Winzer. „Nicht mehr ganz klein, aber fein und überschaubar.“ Neue Lagen kamen dazu, vor allem am Schüttenberg, dessen Boden vom Kalkschotter dominiert wird und deshalb sehr charakterstarke Weine hervorbringt.
Durch seine Praktika unter anderem in Kalifornien und diverse Reisen definiert er heute „guten Wein“ etwas anders: „Ich mag sehr charaktervolle und authentische Weine, die manchmal etwas mehr Zeit benötigen, um sich mit ihnen zu arrangieren.“ Grassl-Weine dürfen heute Ecken und Kanten haben. Wichtig ist dem Winzer auch ihre Funktion als Speisenbegleiter: „Sie müssen vor allem in Verbindung mit einem guten Essen wirkliche Größe haben!“
Für die Kellerarbeit bedeutet das: weniger neues Holz in den Weinen, mehr Struktur in den Lagenweinen und generell ein Fokus auf Vielschichtigkeit und Hintergründigkeit. „Man kann sagen, dass meine Weine erwachsen geworden sind.“ Das verlangt vom Weinliebhaber zwar ein wenig mehr Aufmerksamkeit, dafür hat er dann aber auch den besonderen Genuss eines komplexen, sich nach und nach entfaltenden Weines im Glas.
Gleichgeblieben ist das klare Sortiment, wofür das Weingut schon immer bekannt war. Was den Zusatz „Classic“ bekommt, wie etwa der Zweigelt, vereint denn auch alle guten Eigenschaften der Rebsorte. Der kraftvolle, würzige Rubin Carnuntum „ist Carnuntum auf den Punkt gebracht“, schwärmt Grassl. Bei den Lagenweinen gilt: Alle Lagen haben individuelle Eigenschaften, die sich dann auch immer im Charakter der Weine niederschlagen – und sie unverwechselbar machen.
Und die Zukunft? „Wein machen ist für mich aufgrund laufend neuer Einflüsse und Inspirationen eine Art Patchwork-Arbeit. Wir sind offen und wollen uns nicht in beengende Schubladen stecken lassen. Das gibt sehr viel Freiheit, den Stil noch genauer zu definieren!“




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