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Ohne Worte…

Der Sommer ist vorbei. Bevor uns die Depression packt, trösten wir uns im Freundeskreis mit Spielabenden. Unser derzeitiger Favorit ist „Scrabble“.

Nichts geht für uns momentan über das lustige Buchstabensetzen. Natürlich versüßen wir uns den Abend mit ein paar guten Gläsern Weins. Und letztens hatten wir dann auch ein schönes Beispiel dafür, dass Wein im Maßen genossen die Kreativität fördert. Die Betonung liegt auf „in Maßen genossen“:

Wir saßen zu viert um das Spielfeld, jeder schob seine Buchstaben herum. Nach ewiger Nachdenkzeit legte L. schließlich das spannende Wort „Ruhe“. Nun war G. dran. Nach etwa 10 Minuten drohten wir das erste Mal mit der Eieruhr. G. legte unter Protest, da er noch Zeit brauche, ein „N“ an, es entstand also „ruhen“. Wir sprühten also vor Kreativität. Ein paar Runden weiter – und ein paar Gläschen Cabernets später – kam plötzlich Bewegung ins Spiel. Aus „ruhen“ wurden die „Holztruhen“, aus der „Rand“ die „Klorand“ und in Folge das „Klorandtixo“ – nicht ohne Diskussion freilich, da G. die Scrabble-Regeln sehr streng auslegte, wir anderen diese lediglich als unverbindliche Empfehlung interpretierten. Interessanterweise bekamen unsere Wortkreationen eindeutigen Charakter: „Cuvée“ und „Sylvaner“ lagen schon am Brett (und leuchteten in den Gläsern daneben), als G. unter großem Hallo die „Barriquecuvée“ legte – und dafür auch noch den dreifachen Wortwert kassierte. Er war’s zufrieden und ließ, da er damit in Führung ging, großzügig unsere Einfälle gelten. Ich holte auf. Doch die Wörter ließen nach dem Konsum weiterer Gläser eines Blaufränkisch plötzlich einiges vermissen –wie Witz, Korrektheit, manchmal sogar das Wort selbst. Kurz: Das Denken wurde schwer. Zuletzt saß ich nur mehr mit drei Buchstaben da: INW. Ich suchte und suchte, kaum ein Platz war am Spielbrett mehr frei. Da sah ich es! Ein E! Ein herrliches, engelsgleiches E! Ich legte „Iwen“. Die anderen protestierten, wenn schon etwas undeutlich. Ich erklärte, dass Iwen die südrussische Form von Iwan sei. „Moment“, lallte G., der schon deutliche Anzeichen von Tiefschlaf zeigte, „keine Namen!“ Ahja, aber den Iwen hätte er mir gelten lassen? G. war also nicht mehr ganz auf der Höhe, umso besser für mich, ich konnte noch gewinnen. Also zog ich meine Buchstaben zurück, schob hin und her – und endlich! Na klar! Das lag ja auf der Hand! Wir sitzen gemütlich zusammen, trinken Wein, haben’s lustig – warum war ich da nicht eher drauf gekommen? Voller Stolz legte ich „Wien“. HA! Wurde ich mein W am Ende doch noch los. „Keine Städte!“, murmelte diesmal B. von der Seite, ihre Zunge rollte schon etwas schwer über den Gaumen. Verdammt! Irgendetwas ganz hinten in meinem Kopf sagte etwas, aber ich verstand nicht. Da war doch was! Da gab’s doch noch ein Wort…

Ich kam nicht drauf. Also musste ich die Punkte abschreiben – und verlor. Ich schickte meine komatösen Freunde per Taxi nach Hause und räumte, selbst schon ziemlich wackelig, die Flaschen weg. Flasche? Wein? WEIN! Ich erstarrte. Und lernte: Die Moral von der Geschicht -zu Scrabble passt eine Flasche Wein, mehr nicht!

Wünsche, Anregungen, Beschwerden: nina.krantz@weinco.at