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2019 – ein großes Rotweinjahr

2019 – ein großes Rotweinjahr

Schwarz-weiß Portrait eines Mannes mit Brille im Anzug, auf hellem Hintergrund.

Im Olymp angekommen
Österreichs beste Rotweine 2019

Der Rotweinjahrgang 2019 ist in Österreich insgesamt besser als alles, was bisher da war. Das gilt zwar nicht für jeden einzelnen Wein, aber die Kombination aus einzigartigen Witterungsbedingungen und der Kompetenz der Winzer hat auf breiter Front zu einem Rotweinniveau in unserem Land geführt, das es so noch nie gab. Das vergangene Jahrzehnt brachte überhaupt eine geradezu unglaubliche Serie großer Rotweinjahre: Der mächtige 2011er mit seiner enormen Struktur, der saftige 2012er als Fruchtkonzentrat, der mollig-sinnliche 2015er und der vor Kraft strotzende 2018er – sie alle haben auch international neue Spitzenbewertungen für Österreichs Rotweine erzielt.

Ich meine jedoch, dass nur der 2017er an die Delikatesse und überragende Balance des 2019ers heranreicht. Bei so viel Euphorie darf man natürlich über die kühleren Jahre 2013, 2014, 2016 und 2020 keinesfalls leichtfertig hinweggehen. Da gibt es für Tüftler viel Feines, Erfrischendes und durchaus auch Lagerfähiges zu entdecken. Aber echte Größe, Rotweine, von denen auch die Weinkenner unter unseren Kindern und Kindeskindern noch sprechen werden, findet man in unserem jungen Rotweinland eher aus den Jahren 2017 und 2019. Es kann gut sein, dass Österreichs Spitzenrote Mitte des Jahrhunderts in mit der Materie vertrauten Kreisen mit ähnlicher Erfurcht aufgemacht werden wie heute ein 1982er Latour, ein 1989er Gaja Sorì Tildín oder ein 1990er Romanée Conti.

Der Grund ist, dass Österreichs beste Rotweine gerade in den vergangenen fünf Jahren noch einmal einen entscheidenden Sprung gemacht haben. Sie liegen heute auf internationalem Top-Niveau und sind dabei noch viel rarer als die genannten Berühmtheiten. Das einzige Handicap könnte sein, dass die Weine zu billig sind. Ja, Sie haben richtig gelesen: Die österreichische Rotweinspitze ist im internationalen Vergleich preislich noch immer weit davon entfernt, wo die Preisklasse der Weltspitze beginnt und damit als Investment nur für Insider attraktiv. Das hat auch damit zu tun, dass es für österreichische Spitzenrotweine mit Reife bis heute keinen Sekundärmarkt gibt, weil sie ganz einfach nicht verfügbar sind.

Aber gerade deshalb wette ich: Wer sich heute von den größten Rotweinen Österreichs der Jahrgänge 2017 und 2019 so viel in den Keller legt, dass er sich erlauben kann, je eine Kiste wenigstens 20 Jahre nicht anzurühren, der würde diese dann mindestens um das Fünffache verkaufen können. Österreichs wirkliche Rotwein-Ikonen fallen nämlich reihenweise uns önophilen Kindsmördern zum Opfer, die dafür sorgen, dass dann, wenn die Kinder – die großen Weine – endlich ihre Pubertät hinter sich gebracht hätten und zum vollen Ausdruck ihrer Persönlichkeit kämen, nichts mehr von diesen hoffnungsvollen Gewächsen übrig ist. Man muss ja nicht unbedingt von „Wein-Pädophilie“ sprechen, denn die Motive, diese Weine so früh aufzumachen, sind nicht unlauter: Erstens schmecken heutige Spitzenrotweine auch in der Primärfruchtphase attraktiv, und zweitens möchten Weininteressierte derart hoch bewertete Weine zumindest einmal verkostet haben. Aber leider wird allein dadurch der Vorrat an großen Weinen in den ersten Jahren derart dezimiert, dass dann, wenn diese Weine richtig „singen“ würden, kaum mehr etwas davon zu finden ist.

Daher gebe ich Ihnen einen ernst und ehrlich gemeinten Rat: Schlagen Sie zu, wenn in den nächsten Wochen und Monaten diese Weltwunder auf den Markt kommen. Kaufen Sie sie, wo immer Sie diese kriegen und das nicht zu knapp. Für Perwolff 2019, der unlängst von A la Carte 100 Punkte bekam, ist es meist schon zu spät. Aber allen, die diesen Goldschatz für lächerliche € 50,– ergattert haben, schreibe ich ins Stammbuch: Vergesst ihn zumindest für ein Jahrzehnt. Es gibt so viel anderes Gutes und Reiferes zu genießen. Und wenn es schon 2019 sein muss, dann halte man sich an die kleineren Weine, von denen ich Ihnen unten ein erlesenes Quartett vorstelle. Die sind in diesem Jahr auch außergewöhnlich. Aber vor allem: Kämpfen Sie um jede Kiste der großen roten 2019er jener Weingüter, die ihre Trümpfe erst später ausspielen. Und wenn Ihnen noch da und dort ein 2017er der allerbesten Sorte unterkommt, überlegen Sie nicht lange. Sollte sich in 25 Jahren noch jemand beim Öffnen einer dieser Flaschen an diesen Tipp von mir erinnern, so habe ich wenigstens eine gute Nachred‘, wenn ich schon nicht mehr mitkosten kann.

Ihr Willi Klinger

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Hände mit blauen Trauben und orangefarbener Gartenschere.

Mit einer schier unglaublichen Serie hervorragender Jahrgänge hat Österreichs Rotwein auch international ein beachtliches Niveau erreicht. Nicht nur die heimische Fachpresse, sondern auch führende Weinkritiker im Ausland haben den spektakulären Aufstieg der österreichischen Rotweinmacher gewürdigt – erstmals mit Wertungen jenseits von 95 Punkten.

Blaufränkisch, Zweigelt und Sankt Laurent, aber auch immer mehr der Pinot Noir und natürlich die zahlreichen Cuvée-Ikonen begeistern anspruchsvolle Gaumen auf der ganzen Welt. Uns begegnet dabei eine große stilistische Bandbreite, die von puristischen Vertretern einer „Minimal-Intervention-Strategie“ bis hin zu sogenannten „internationalen“ Stilen, hergestellt nach allen Regeln der modernen Önologie, reicht. Naturgemäß wird dieses kreative Feuerwerk von einer zum Teil recht emotional geführten Diskussion über den „richtigen“ Kurs des österreichischen Rotweins begleitet.

Wer sich also mit Weinen der tollen Jahrgänge 2017, 2018 und 2019 eindecken will, muss für sich auch eine Entscheidung in stilistischer Hinsicht treffen. Fest steht, dass dichte, hochreife und gehaltvolle Gewächse aus Österreich ein Reifepotenzial wie die großen Klassiker Frankreichs oder Italiens besitzen.