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Inspiration Weinblick Winzer des Monats 2020 Mai 2020 - Weingut Wohlmuth

Winzer des Monats

MAI 2020
WEINGUT WOHLMUTH im Portrait Zu den Produkten

Wohlmuth2

Höchstbewertete Weine von einzigartigem Schieferterroir in extremen Steillagen.

Hundert Prozent sind erst der Anfang

Mit Hammer, Sense und ganz viel Gespür wird in der Ortsappellation Kitzeck-Sausal seit 1803 unter dem klingenden Namen Wohlmuth Wein gekeltert. Mit einer Steigung von bis zu 100 Prozent (45°) auf bis zu 600 Metern Höhe findet man hier einige der steilsten Rebberge Europas. Die 1.200 Arbeitsstunden, die alljährlich in jeden Hektar der Weingärten fließen, werden heute ganz ähnlich verbracht wie damals, denn etwas anderes als Handarbeit lassen weder die extremen Lagen noch der qualitätsorientierte Winzer Gerhard Wohlmuth zu. Nun wird auch die historische Grand-Cru-Riede „Dr. Wunsch“ mit bis zu 110 Prozent Gefälle von der Winzerfamilie rekultiviert – denn je abschüssiger, desto stärker fällt das Spannungsspiel aus der Wärme des illyrischen Klimas und der Kühle des alpinen Einflusses aus. Während ersteres für eine optimale Traubenreife sorgt, verhilft die kalte Luft mitsamt der Schieferböden den Weinen zu ihrer knackigen Mineralität. Eine Wein-Premiere, auf die man sich jetzt schon freuen kann.




INTERVIEW - Gerhard Wohlmuth

"Die Südsteiermark war immer schon eine Grenzregion für den Wein."

Wir haben mit Herrn Gerhard Wohlmuth persönlich über seine Arbeit, seine Weine und die Klimaerwärmung gesprochen. Und ihn gefragt, wie er den Riesling beschreiben würde, wenn er ihm als Person plötzlich gegenübertreten würde.

gerhard wohlmuth 

Gibt es Momente, wo Sie wünschten, dass ihr Weingut einfach mal in flacheren Regionen läge?

Gerhard Wohlmuth: Natürlich wäre es leichter und einfacher, in flacheren Lagen zu arbeiten (lacht). Aber das spezielle Mikroklima, das wir haben, erreicht man sonst eben nirgends. Dadurch bin ich schon sehr glücklich, in dieser Region arbeiten zu dürfen. Bei uns liegt der Großteil der Einzellagen wirklich auf über 40 Prozent Gefälle, zehn Hektar liegen gar zwischen 60 und 100. Diese werden dann entweder in Terrassen oder per Seilwinde bewirtschaftet. Wir rekultivieren gerade auch die Einzellage „Dr. Wunsch“, die im Schnitt ein Gefälle von über 110 Prozent aufweist.

Ihre Rieden liegen auf bis zu 600 Meter hohen Steillagen. Welchen Einfluss hat der Klimawandel auf Ihre Arbeit? Und wie, denken Sie, wird sich der Wandel zukünftig auf Ihren Wein auswirken?

Gerhard Wohlmuth: Da wir im kühlsten Teil der Südsteiermark und so weit oben liegen, hatten wir mit der Erwärmung bisher auch die wenigsten Probleme. Dadurch haben unsere Trauben eine lange Vegetationsdauer, die Aromen können komplett ausreifen – und das bei moderatem Alkoholgehalt von 12 bis 13 Prozent. Durch die kühlen alpinen Nächte in der Südsteiermark bleibt die Säure sehr stabil. Sogar im Hitzejahr 2018, wo im Rest Österreichs bereits im August geerntet wurde, hatten wir die Hauptlese erst in der zweiten Septemberhälfte. Allerdings, wenn man mit der Großmutter redet, merkt man schon, dass die Lese damals wesentlich später stattfand und diese rasche Veränderung hat uns Weinbauern auch stark sensibilisiert. Die Südsteiermark war aber immer eine Grenzregion für den Weinbau, gerade in den kühleren 80er-Jahren, wo Weine mit gerade mal 10 Volumprozent Alkohol entstanden. Insofern hat es sein Gutes, da die Weine durch die zusätzliche Wärme an Komplexität gewinnen – diesen Idealzustand wollen wir bewahren, weshalb wir uns bewusst sind, dass wir die Natur für die nächsten Generationen erhalten müssen.

Jedes Jahr ziert ein anderes Bild die Etiketten Ihrer Weine. Wie kamen Sie zur Kunst und welche Bedeutung hat diese für Sie?

Gerhard Wohlmuth: Die Kunstetiketten wechseln seit 1986 jährlich, damit hat der Papa begonnen – mit ihnen wird die Einzigartigkeit jedes Jahrgangs unterstrichen. Da wir eine sehr kunstaffine Familie sind, spielt diese auch eine wichtige Rolle in unserem Leben, wodurch wir schon seit Jahrzehnten zeitgenössische Kunst sammeln und dies auch oft mit dem Hintergedanken, dass es vielleicht einmal ein Jahrgangsbild sein könnte. Schließlich entscheidet das Bauchgefühl, welches wir nehmen: Manchmal passt die Farbe zum Jahrgang, manchmal spiegelt das Bild etwas, das im letzten Jahr passiert ist. Wein hat ja diese zwei faszinierenden Aspekte: Einerseits macht er die Herkunft schmeckbar, andererseits wird im Wein der Jahresverlauf eingefroren.

Sie vinifizieren ja verhältnismäßig auch viele Rieslinge, die bei uns im Mai Monatsthema sind. Die Südsteiermark ist nun aber keine typische Riesling-Region. Wie kommt’s?

Gerhard Wohlmuth: Das hat einen historischen Kontext: In Kitzeck-Sausal war der Riesling die wichtigste Rebsorte, bevor der Sauvignon Blanc in die Region gekommen ist. Bei uns hat er immer schon einen hohen Stellenwert gehabt, für meinen Großvater war das der beste Wein. Mein Vater hat auf der Ried Edelschuh die Riesling-Rebfläche sogar noch etwas ausgeweitet, was in den 80er-Jahren als völlig verrückt galt, da andere Rebsorten wesentlich leichter zu vermarkten waren.

Auch für mich ist Riesling eine große Leidenschaft. Als ich 2008 voll in den Betrieb einstieg, war für mich sofort klar, dass Riesling neben dem Sauvignon Blanc unsere Leitsorte ist, denn wir haben hier ein perfektes Terroir für diese Rebsorten. Aufgrund dessen haben wir unsere Riesling-Rebflächen ausgeweitet, neue bepflanzt und weitere hinzugekauft. Mittlerweile haben wir sechs Hektar mit Riesling bestockt, drei weitere werden durch die Ried Dr. Wunsch hinzukommen. Wir können durch die Steillagen den Riesling Ende Oktober ohne Edelfäule ernten. Die phyllitischen Schieferböden mit Quarzeinschluss sind besonders karg und eignen sich wunderbar für diese Rebsorte, da sie auch immense Mineralität in den Wein bringen. Unsere Vision ist es ja, die 10 Prozent Riesling auf 20 zu steigern, denn für uns ist er qualitativ jetzt schon gleichauf mit dem Sauvignon Blanc. Das merkt man auch an den Bewertungen von Falstaff, Vinaria und Parker. Wir haben im Vergleich zu anderen österreichischen Rieslingen vermutlich eine deutschere Stilistik – ich nenne sie jedoch lieber „Kitzecker“ (lacht).

Nehmen wir an, der Riesling wäre ein Mensch. Wie würden Sie ihn beschreiben?

Gerhard Wohlmuth: Puh … Der Riesling ist sicherlich ein sehr vielschichtiger Charakter – einer, der alle positiven und auch melancholischen Emotionen in sich auffasst. Ein Mensch, der viel erlebt und mit diesen Erlebnissen seine Persönlichkeit bildet. Rieslinge ohne Edelfäule ergeben diese immens femininen Weine, die sehr viele Nuancen tragen können, ohne breit oder muskulös zu sein. Die Rebsorte wird oft als König der Weißweine bezeichnet – ich würde ihn eher als Königin sehen.

Wir bedanken uns bei Herrn Wohlmuth für das Interview und wünschen jedem, der nun Lust bekommen hat, in die Welt der Steillagen-Weine einzutauchen, ein herzliches „Wohl bekomm’s!“


Extras
Rebsorte/Fruchtsorte
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Jahrgänge
Länder
Produktkategorien
Farben
Ausbau
Geschmack
Verschlussart
Preis
11 - 75 Euro
Prämierungen
Kundenbewertungen
Verfügbar in
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12 - 14 Volumsprozent
5 (2)

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