Highlights aus der Toskana
Von Bolgheri bis Chianti Classico
Autorin: Daniela Dejnega
Der Reiz der Toskana ist ihre Vielfalt. Während Chianti Classico und Brunello di Montalcino mit Sangiovese von höchster Qualität punkten, machen die Küstengebiete Maremma und Bolgheri mit internationalen Sorten wie Cabernet Sauvignon und Merlot Furore.
Empfehlungen
Die einzigartige landschaftliche, kulturelle und kulinarische Vielfalt der Toskana lässt sich immer wieder neu entdecken. Unsere Weintour startet diesmal im Norden, im malerischen, nach der Stadt Lucca benannten Gebiet Colline Lucchesi. Die Gegend gilt als Geheimtipp für Weinfans, da die Reben hier auch in Hitzeperioden von der kühlen Luft, die nachts vom Apennin her weht, profitieren. Nordwestlich von Lucca bewirtschaftet das Team der Villa Santo Stefano sieben Hektar Weingärten, in erster Linie Sangiovese. Auf der Suche nach einer zweiten Herkunft gelangte Wolfgang Reitzle, der deutsche Gründer des Weinguts, in die südliche Maremma. Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc und Merlot liefern dort die Trauben für den Bordeaux-Blend „Loto“, den kraftvoll-eleganten Supertoskaner der Villa Santo Stefano.
Toskanische Küste
Der Weg in die Maremma führt über die A11, die Autostrada del Mare, nach Süden, vorbei an Livorno und nach 100 Kilometern befinden wir uns in der namhaften DOC Bolgheri, wo 1968 die Geburtsstunde von Sassicaia und in der Folge von weiteren prestigeträchtigen Supertoskanern schlug. Als immer mehr renommierte Weingüter im Gebiet investierten, begann der Weinbau in Bolgheri zu boomen. 1995 gründete die Familie Antinori das Weingut Guado al Tasso, das sich in einer reizvollen, von Hügeln umrahmten Ebene befindet, die das „Amphitheater von Bolgheri“ genannt wird. Auf den schottrigen kalkhaltigen Böden wachsen hauptsächlich Cabernet Sauvignon, Merlot und Cabernet Franc. Seit Jahrzehnten sind die Weine von Guado al Tasso Aushängeschilder der gesamten Region, was auch für den gekonnt vinifizierten Vermentino gilt, der einen Trend zum Weißwein bestätigt.
Weiter südlich, unweit des Städtchens Suvereto, hat sich das 1984 gegründete Weingut Tua Rita früh als Qualitätspionier der Maremma etabliert. Auch eine Stunde von der Küste entfernt ist hier der Einfluss des Meeres noch spürbar und das Klima ist perfekt für die Bordeaux-Sorten Merlot und Cabernet Sauvignon. Tua Rita keltert neben der Ikone „Redigaffi“, einem der besten und bekanntesten Merlots der Welt, mit dem „Tierre“ einen sehr überzeugenden Einstiegswein aus derselben Rebsorte.
Die beschauliche Maremma erstreckt sich weiter nach Süden, und in der Nähe von Grosseto macht die Fattoria Le Mortelle mit Cuvées aus Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc auf sich aufmerksam. Nun aber orientiert sich unsere Weintour nach Nordosten, wo die berühmtesten Appellationen der Toskana warten.
Die großen Klassiker
Die Fahrt von Grosseto nach Montalcino dauert etwa eine Stunde und wir gelangen rasch in die Heimat des edlen Brunello di Montalcino, wo die Reben an deutlich steileren Hängen wachsen und die Lagen bis in 700 Meter Seehöhe hinaufreichen. Hier läuft die Sorte Sangiovese zur Höchstform auf und steht für Weine von unnachahmlicher Eleganz und Tiefe. Der leichtfüßige Rosso di Montalcino gilt als „kleiner Bruder“ des Brunello. Zugänglichkeit und Trinkfreude kennzeichnen einen guten Rosso, der gerade bei so renommierten Weingütern wie Le Ragnaie absolut zu empfehlen ist.
Weiter im Osten, in Montepulciano, heißt die Leitsorte ebenfalls Sangiovese, wird aber hier „Prugnolo gentile“ genannt. Der herkunftstypische Vino Nobile di Montepulciano von Poderi Sanguineto reift in großen, alten Fässern aus slawonischer Eiche. Die Winzerin Dora Forsoni schätzt einen traditionellen, eleganten Weinstil und keltert ihren wunderbar harmonischen Vino Nobile aus Sangiovese mit einem kleinen Anteil der autochthonen Sorten Canaiolo Nero und Mammolo.
In nördlicher Richtung erreichen wir zum Abschluss die wohlbekannte DOCG Chianti Classico, wo die Weine zuletzt nochmals an Charme und Qualität zugelegt haben. Herkunftstypizität, Frucht und Frische sind hier in den Fokus gerückt. Paradebeispiele für den zeitgemäßen Chianti-Classico-Stil sind sowohl die eleganten Weine von Casa Emma als auch die besonders von ihrem Terroir geprägten Weine von Caparsa. Die Riserva Caparsino ist ein Must für alle Liebhaber:innen von puristischem Chianti Classico mit kristallinem Charakter und leuchtender Kirschfrucht. Auch im Herzen der Toskana kennt die Entdeckungsfreude keine Grenzen.