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Gesellmann

Lange Tradition, behutsame Arbeit und Top-Rotweine führten Albert Gesellmann an die Spitze.

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Superstars mit Euphorie

Bela Rex, Opus Eximium, hochberc, G, you name it. Seit Jahrzehnten keltert die Familie Gesellmann einige der bekanntesten Rotweine Österreichs. Erst vor ein paar Jahren kam ein weiterer hinzu: „Euphorie“ heißt die harmonische Cuvée, die Albert Gesellmann aus den Sorten Syrah, Cabernet Sauvignon und Merlot komponiert hat. Dieser feine Rotwein bringt die typische Würze und die Kraft des Mittelburgenlands gekonnt ins Glas, wobei der saftige Trinkfluss nicht zu kurz kommt – ein erstklassiger Begleiter zu dunklem Fleisch und Wildgerichten

Mit internationalen Rotweinsorten und dem Weinausbau im Barrique setzte sich Alberts Vater, Engelbert Gesellmann, schon in den Achtzigerjahren intensiv auseinander. Sein Fokus auf Qualität und Innovation prägte die Erfolgsgeschichte des burgenländischen Weinbaus mit, und die damals kreierten roten Cuvées Opus Eximium und Bela Rex zählen bis heute zu den Aushängeschildern des Weinguts. Dennoch blieb der gebietstypische Blaufränkisch stets die Hauptsorte der Familie Gesellmann. Die großen Highlights sind die würzige Reserve „Creitzer“ und der Einzellagen-Blaufränkisch vom Hochberg. Auch die Ikone „G“ ist ganz vom Blaufränkisch geprägt, wenngleich hier fünf Prozent St. Laurent für die letztendlich perfekte Balance sorgen. Das Weingut Gesellmann umfasst heute etwa 50 Hektar Weingärten, ist seit 2015 biozertifiziert und mit Francesca und Konstantin steht eine bestens ausgebildete und hochmotivierte nächste Generation bereits in den Startlöchern.

Im Einklang mit der Natur wollen wir jedes Jahr charakterreiche, gebietstypische Weine kreieren.
Albert Gesellmann

Albert Gesellmann im Interview

gesellmann wdm

Lieber Albert, wie geht es euch nach der Lese 2026? Seid ihr zufrieden mit der Qualität und der Menge? Was war im heurigen Jahrgang besonders?

Die Tage starten sehr früh und enden spät am Abend, und auch am Wochenende wartet Arbeit im Keller auf uns. Aber wir sind glücklich, eine so großartige Ernte 2026 eingefahren zu haben. Das Jahr 2026 wird uns durchaus wieder lange in Erinnerung bleiben. Die extreme Trockenheit und der frühe Lesestart sind Umstände, die uns auch in Zukunft beschäftigen werden. Durch die Trockenheit ernteten wir eine kleinere Menge, aber Trauben mit völlig gesunden Beeren – Topqualität, die auf einen historischen Jahrgang schließen lässt.

Welcher Rebsorte gehört die Zukunft im Mittelburgenland? Bleibt es der Blaufränkisch oder gibt es andere Sorten mit Potenzial?

Wir setzen weiterhin auf Blaufränkisch als die Rebsorte, in der wir das größte Potenzial sehen. Blaufränkisch spiegelt unsere Heimat Deutschkreutz und somit auch das Mittelburgenland am besten wider. Blaufränkisch brilliert durch seine Frische und seine doch tänzelnde Art auf der Zunge. Er kommt mit den klimatischen Änderungen sehr gut zurecht. Seit ein paar Jahren experimentieren wir aber auch mit Piwis – pilzwider­stands­fähigen Rebsorten – im Rotwein- und Weißwein- Bereich. Diese haben wir im Frühjahr 2020 ausgepflanzt, 2023 haben wir die ersten Trauben geerntet und Weine in die Flasche gebracht. Es ist für uns aber noch zu früh, um sich hier auf spezielle Rebsorten festzulegen.

Eure Rotweine besitzen eine ausgeprägte Tanninstruktur. Worauf kommt es an, um besonders hochwertige, feine Tannine zu erhalten?

Wir sind 2019 in unseren neuen Gärkeller umgezogen. Hier verarbeiten wir das Lesematerial ausschließlich mittels Gravitation. Des Weiteren setzen wir nach der 100-prozentigen Handernte auf eine optische Selektion – vor allem bereits im Weingarten, wo jede Traube angeschaut wird, bevor sie zu uns in den Keller gelangt. Danach kommt noch die optische Sortiermaschine zum Einsatz. Dank dieser wird nur perfektes Traubenmaterial weiterverarbeitet – keine Stiele gelangen in die Maische. Das gibt uns die Chance, unsere Weine, allen voran die Rotweine, noch feingliedriger zu machen. Auch setzen wir auf eine lange Maischestandzeit von bis zu 60 Tagen bei unseren Topweinen. Die Weine bekommen dadurch eine sehr feine Tanninstruktur.

Mancherorts gibt es einen Trend zur Ganztraubenvergärung, also einen gewissen Anteil an Stielen zu belassen, um mehr Frische und Lebendigkeit zu erzielen. Experimentierst auch du mit diesem Zugang?

Für Pinot Noir eignet sich diese Technik gut und wir wenden sie seit vielen Jahren an. Bei Blaufränkisch sehe ich keinen großen Vorteil in der Ganztraubenvergärung.

Im Weißwein-Bereich ist Chardonnay seit Langem ein Steckenpferd. Gibt es hier Vorbilder? Bitte erkläre uns kurz, wie der Chardonnay Ried Steinriegel vinifiziert wird.

Direkte Vorbilder gibt es keine. Aber natürlich ist ein Blick über den Tellerrand sehr wichtig und wir sind immer bestrebt, Neues zu verkosten. Mich fasziniert vor allem die Vielfalt, die diese Rebsorte zu bieten hat, immer wieder entdecken wir neue Facetten. Bei unserem Chardonnay Ried Steinriegel erfolgt die Vergärung, wie bei all unseren Weinen, spontan in kleinen Eichenfässern, mit mehrmaligem Aufrühren der Hefe. Die Gärung dauert in der Regel 40 Tage und der biologische Säureabbau vollzieht sich in kleinen Eichenfässern. Danach reift der Wein 15 Monate auf der Feinhefe.

Was ist für dich das Schönste am Winzerberuf?

Das Schönste am Beruf des Winzers ist die Abwechslung, die er mit sich bringt. Es geht sowohl um die Arbeit im Weingarten und im Keller als auch um die Präsentation der Weine vor den Kund:innen. Ganz besonders fasziniert mich immer wieder die Arbeit in der Natur – wie man mit viel Leidenschaft aus einer kleinen Pflanze ein so hochwertiges Produkt entstehen lassen kann.

Und was ist das Schwierigste?

Das ist die Abhängigkeit von der Natur und ihre Unberechen­barkeit. Damit sind auch große Herausforderungen verbunden.

Was macht die nächste Generation? Inwieweit sind eure Kinder Francesca und Konstantin am Weingut aktiv?

Meine Frau Silvia und ich konnten beiden Kindern die Leidenschaft für den Winzerberuf mitgeben. Francesca und Konstantin sind nach der Ausbildung in der Weinbauschule Klosterneuburg beide in den Betrieb eingestiegen. Francesca hat bereits erfolgreich das Bachelorstudium Internationale Weinwirtschaft in Geisenheim abgeschlossen und absolviert jetzt neben ihrer Tätigkeit am Weingut das Masterstudium an der BOKU in Wien. Konstantin arbeitet seit seinem Abschluss in Klosterneuburg im Betrieb mit und macht diverse Praktika im In- und Ausland. Erst diesen Winter hat er bei der Ernte im Weingut Vasse Felix in Western Australia mitgearbeitet. Silvia und ich freuen uns, wenn die beiden noch weitere Praktika machen und ihre eigenen Ideen ins Weingut einbringen.

Vielen Dank für das Gespräch!