Sortiment
Schloss Gobelsburg
Ein halbes Leben für Schloss Gobelsburg
Michael Moosbrugger feiert 2026 nicht nur seinen 60. Geburtstag, sondern auch sein 30-jähriges Wirken in einem der ältesten und traditionsreichsten Weingüter Österreichs: Schloss Gobelsburg. Das barockisierte Renaissanceschloss bettet sich malerisch in die sanften Terrassenweingärten des Donautals und ist von Wien aus in einer knappen Autostunde Richtung Westen zu erreichen. Betritt man den Innenhof der Gobelsburg, umgibt einen sofort ein Gefühl von Geborgenheit. Knarrend öffnet sich das Tor zum Weinkeller und beim Betreten atmet man automatisch den charakteristischen und doch unbeschreiblichen Kellerduft ein. Man wandelt durch die jahrhundertealten Weingänge mit Fässern und Flaschen, bis man plötzlich im Zentrum der Kelleranlagen ankommt: einem Kreuzgang, dessen Zentrum als Licht-, Luft- und Wasserbrunnen dient. Michael Moosbrugger, der seit 1996 die Verantwortung für Schloss Gobelsburg trägt, sieht im Vermächtnis der Zisterzienser-Mönche, die 1171 einen Wirtschaftshof am Fuße der berühmten Riede Heiligenstein erhielten, auch einen Auftrag für kommende Generationen. Er erzählt, dass die klösterliche Tradition der Zisterzienser bis heute Einfluss auf die Betriebsführung ausübt. So wird beispielsweise nach der Lese das Einbringen der Ernte mit einer Segnung und dem traditionellen Martinigansl gefeiert. Die Zisterzienser waren über Jahrhunderte hinweg federführend in der Weiterentwicklung des europäischen Weinbaus, und dieses Selbstverständnis wird im Weingut bis heute gepflegt. Den Schwerpunkt im Sortiment bilden die Gebiets-, Orts- und Riedenweine. Weitere Highlights sind die flaschenvergorenen Qualitätssekte sowie die streng limitierten Weine der Serie „Tradition“, die dem Thema „Reife im Wein“ gewidmet sind. Wer das Schlosstor hinter sich lässt, versteht, was es bedeutet, „Weinkulturerbe Österreichs“ zu sein.
Die Essenz von Tradition und Herkunft aus dem Kamptal
Zentral sind die typischen Herkunftsweine des Donauraums – Gebiets-, Orts- und Riedenweine basierend auf den Rebsorten Grüner Veltliner und Riesling –, die nach höchstem Qualitätsanspruch gekeltert werden.
Zu den großen Highlights zählen zweifellos die Grünen Veltliner von den Ersten Lagen Lamm und Grub, die den eleganten, noblen Stil von Schloss Gobelsburg Jahr für Jahr perfekt widerspiegeln. Der in Manhartsberger Eiche ausgebaute Grüne Veltliner Ried Grub 2022 braucht Luft, entwickelt im Glas herrlichen Schmelz und zeigt feine Komplexität mit Orangen- und Birnen- und Honignoten.
Angelehnt an die Tradition des Weinhandwerks im frühen 19. Jahrhundert entstehen seit über 20 Jahren die Weine der Linie „Tradition“. Die Trauben für diese Weine werden mit einer Korbpresse sanft gepresst, spontan vergoren und in großen Fässern über mehrere Jahre gereift. Ein großartiger Vertreter dieser Serie ist die streng limitierte Cuvée Tradition „Heritage 3 Jahre“ Edition 852, die mehrere Jahrgänge von Grünem Veltliner und etwas Riesling vereint. Durch regelmäßiges Umziehen und Belüften präsentiert sich der Wein nach drei Jahren auch ohne Filtration völlig blank.
Darüber hinaus reifen in den Kellern von Schloss Gobelsburg auch hervorragende Schaumweine. Ein Paradebeispiel ist die cremige Reserve Brut Blanc de Blancs von den Sorten Chardonnay, Welschriesling und Grünem Veltliner. Die Grundwein-Cuvée für diesen Sekt wird in heimischem Eichenholz ausgebaut und nach der zweiten Gärung in der Flasche folgen drei Jahre der Hefelagerung. Der charakterstarke Blanc de Blancs überzeugt am Gaumen durch seine besonders feine Textur und die elegante Perlage.
Ein Keller für die Ewigkeit
Trotz, oder vielleicht gerade aufgrund seines Traditionsbewusstseins hat Michael Moosbrugger den Sprung in die Neuzeit mit Bravour vollführt: Mit seinem „Dynamic Cellar Concept“, einer Art mobiler Kellerstruktur, innoviert er die Kellertechniken des 21. Jahrhunderts, indem er Fässer auf Rädern einsetzt. So müssen die Weine nicht mehr umgepumpt werden, sondern können schonend in eine andere Temperaturzone transportiert werden. Kommt die optimale Temperatur nicht zum Wein, bringt man den Wein eben zur optimalen Temperatur.
Doch das sollte erst der Anfang sein: Nach dreijähriger Bauphase wurde mit April 2021 ein gewaltiger neuer Fasskeller finalisiert und mit ihm ein Stück Architekturgeschichte geschrieben. Nach klösterlicher Bauweise gliedern sich die einzelnen Funktionsräume rund um einen Mittelpunkt, den Kreuzgang, in dessen Zentrum ein Brunnen steht. Geradlinig, der Funktion untergeordnet und damit den Klosterprinzipien von Einfachheit und Strenge gehorchend zeigt sich das fertige Werk und beeindruckt mit der Eleganz seiner Kreuzrippengewölbe und Rundbögen, die völlig ohne Stahlbeton auskommen – bautechnisch eine große Herausforderung.
Dafür dominieren Ziegel und Stein, ganz im Geiste der zisterziensischen Architektur, mit der sich Moosbrugger zuvor eingehend beschäftigt hatte. Hier wurde mit außenliegenden Fugen der Optik der Klostergründungszeit gedacht und zugleich den Händen ein Denkmal gesetzt, die dieses sakrale Kunstwerk geschaffen haben. „Zeitlos“ ist das Adjektiv, das einem beim Anblick unweigerlich in den Sinn kommt und gedanklich beim Entwerfen des Designs mitschwang.
„Die Kellererweiterung muss die nächsten 500 Jahre überstehen“, hatte Moosbrugger seinem Architekten verordnet. Stahlbeton würde nach 120 Jahren nachgeben. Bei einer solch gewaltigen Investition will man natürlich auch in die Zukunft blicken, und das nicht zu knapp.
Michael Moosbrugger im Interview mit Daniela Dejnega
Daniela Dejnega: Lieber Michi, du leitest Schloss Gobelsburg seit 1996. Aufgewachsen bist du allerdings im Westen des Landes, in Vorarlberg. Wie bist du beim niederösterreichischen Weinbau gelandet?
Michael Moosbrugger: Wein hatte in unserer Familie einen hohen Stellenwert, da mein Vater Mitbegründer der ersten österreichischen Sommelier-Vereinigung war. Nach seinem frühen Ableben habe ich 1988 im elterlichen Betrieb die Weinagenden übernommen und mich nach einigen Jahren entschieden, nicht das Hotel zu übernehmen, sondern Weinbau zu lernen. So kam ich 1992 nach Niederösterreich und habe meine Lehrjahre im Gut Oberstockstall absolviert, das nicht nur Weinbau, sondern alle Bereiche der Landwirtschaft abdeckt.
Wie war die Situation im österreichischen Weinbau vor 30 Jahren? War der Aufschwung nach dem Weinskandal bereits spürbar?
Michael Moosbrugger: Bei meinem Einstieg im Jahr 1996 war die Krise von 1985 bereits überwunden und Österreich war dabei, sich über die Rebsorte Grüner Veltliner neu zu erfinden. Aber nicht nur imagemäßig hat sich damals viel getan, sondern auch weinbaulich, da die Neunziger eine Zeit der technologischen Erneuerung waren. Alte Fässer wurden durch Edelstahltanks ersetzt, temperaturkontrollierte Gärsteuerungen wurden installiert und der Konsumenten-Geschmack war noch voll auf Jugendlichkeit hin orientiert. Weine, die nicht bis Weihnachten des selben Jahres verkauft waren, galten als (fast) unverkäuflich. Ein Zustand, der sich Gott sei Dank in den letzten drei Jahrzehnten fundamental geändert hat. Heute haben Weinliebhaber erkannt, dass besondere Weine auch Zeit benötigen, um ihr ganzes Potenzial zu entfalten.
Welchen Stellenwert hatten die Weine von Schloss Gobelsburg in den Neunzigerjahren am Markt? Und wie entwickelte sich der Export?
Michael Moosbrugger: Das Weingut hatte in der Region immer einen hohen Stellenwert, da es schon im 19. Jahrhundert Flaschenfüllungen vorgenommen hatte. Besonders Pater Bertrand war ein begnadeter Marketier, der die Gobelsburger Weine schon in den 1970er- und 1980er-Jahren nach Amerika, England und Japan verkaufte. Nach 1985 – nachdem der Export eingebrochen war – hat man sich auf die Produktion von Gobelsburger Messwein konzentriert, der als Synonym für einen unverfälschten und naturbelassenen Wein galt. Nachdem ich die Verantwortung für Gobelsburg übernommen hatte, begann ich, mich wieder mehr um den Export unserer Weine zu bemühen. In Amerika haben wir 1997 angefangen und in der Folge haben wir sukzessive zuerst die europäischen Märkte, dann die fernöstlichen Märkte zu erobern versucht. Heute verkaufen wir fast zwei Drittel der Produktion in über 60 Länder weltweit und sind international bekannt für eine klassisch österreichische Stilistik.
Was waren die markantesten Veränderungen im Weingarten und im Keller in den vergangenen 30 Jahren?
Michael Moosbrugger: Wir haben die Weingärten und den Keller peu à peu weiterentwickelt und an die Bedürfnisse eines Weinguts angepasst, das den Ansprüchen eines Traditionsweinguts gerecht werden soll. Die Erweiterung des Kreuzgangkellers war sicher ein Meilenstein in der Entwicklung des Betriebs und hat das Weingut auf eine ganz neue Ebene gebracht. In Österreich sind wir (zurecht, wie ich meine) ja gerne stolz auf die Großartigkeit unserer Weine. Aber wir wissen aus Frankreich, Spanien und Italien, dass Großartigkeit auch visualisiert werden muss. Ich denke, dass Gobelsburg mittlerweile ein Symbol für die Großartigkeit des Österreichischen Weines ist und immer mehr Besucher dieses ‚Gesamtkunstwerk‘ erleben wollen. Ein weiterer wichtiger Schritt bei der Ausrichtung des Weinguts war die Beschäftigung mit der historischen Weinbereitung, mit der sich in den 1990er-Jahren sonst niemand auseinandersetzte. Der Anspruch, nicht nur zeitgemäße Weine zu produzieren, sondern ein Teil der Erinnerungskultur einer Weinbaunation zu sein, war nicht nur neu, sondern auch ein Meilenstein in der Positionierung des Weinguts.
Zentrales Anliegen ist dir die Herkunft. Bei den Riedenweinen des Weinguts steht daher die Rebsorte nicht mehr auf dem Etikett. Wie kommt das im Verkauf an?
Michael Moosbrugger: Den ersten Versuch in dieser Richtung habe ich 1997 unternom- men. Damals war die Zeit noch nicht reif, eine Rebsorte am Vorderetikett wegzulassen, daher musste ich einen Rückzieher machen. Als ich den zweiten Versuch 2013 unternahm, hatte ich schon vor- gearbeitet und am Etikett die Lage immer prominenter in Szene gesetzt, sodass ich mit den neuen Etiketten keine Probleme mehr hatte, als die Rebsorte plötzlich ganz weg war. Ich denke, dass, obwohl nach wie vor vielen Konsumenten die Sorte vermeintlich wichtig ist, das Konzept überbewertet ist. Was ist schon eine Rebsorte? Sie ist das genetische Fundament eines Weines. Aber wir wissen alle, wie groß die stilistische Bandbreite einer Rebsorte sein kann. Daher ist die Aussagekraft einer Rebsorte allein vergleichsweise überschaubar. Aus diesem Grund glaube ich, dass eine (gut gestaltete) Appellation (DAC) die Lebensrealität von Winzern wesentlich besser repräsentiert, als es eine Rebsorte jemals im Stande wäre auszudrücken.
Mit deiner Frau Eva hast du auf Schloss Gobelsburg drei Kinder großgezogen. Zeigen sie Ambitionen am Weingut nachzufolgen?
Michael Moosbrugger: Unsere Kinder sind einerseits über das Weingut und andererseits wie ich über die Hotelfachschule zum Wein gekommen. Johannes hat mittlerweile seinen Bachelor in Internationaler Weinwirtschaft absolviert und macht gerade seinen Master in Önologie. Auch Anna und Marie-Luise, die in Wien studieren, interessieren sich nicht nur für den Wein, sondern vertreten das Weingut schon bei Veranstaltungen oder Präsentationen.
Vielen Dank für das Gespräch!
Impressionen
Schloss Gobelsburg